Stellungnahme der SDAJ Wuppertal zur Sexismusdebatte im AZ Wuppertal

In den letzten Wochen gab es einige Stellungnahmen, die dem AZ Wuppertal vorwerfen, sich nicht mit Sexismus und patriarchalen Strukturen auseinander zu setzen. Eine Einschätzung die sich mit unseren langjährigen und vielfältigen Erfahrungen im und um das AZ nicht deckt. Als Initiator der Stellungnahme ist hier der Blog antisexismuswuppertal.blogsport.de zu nennen, der am 6. Mai die erste Stellungnahme veröffentlichte.

Hierbei handelt es sich um eine klare Distanzierung vom AZ Wuppertal. „AZ dicht machen“ ist die drastischste Forderung der Stellungnahme und wird als eine der möglichen Lösungen der Probleme propagiert.

Zu dieser Konsequenz kommen die BlogbetreiberInnen aufgrund ihrer Analyse, „dass das Konzept des sich offen selbstorganisierenden und sozialen Zentrums schon lange gescheitert ist“. (http://antisexismuswuppertal.blogsport.de/2012/05/06/az-wuppertal-es-reicht-emanzipatorische-raeume-ermoeglichen/)

Wir bedauern, dass die aus dem AZ Umfeld stammenden Verfasser, sich zu einer solchen destruktiven Pöbelei herablassen. Anstatt das Projekt Autonomes Zentrum weiter zu entwickeln, wird es aufgrund seiner tatsächlichen oder herbeiphantasierten Mängel für unreformierbar und somit zum Gegner erklärt.

Wir distanzieren uns von dieser Analyse. Das Autonome Zentrum Wuppertal zeigt, das es möglich ist Freiräume zu schaffen, in denen jugendliche sowie erwachsene Menschen einen Raum haben, um sich mit Faschismus, Sexismus und auch Kapitalismus (etc.) auseinander zu setzen.

Den Menschen, die selbstorganisiert und unendgeldlich Demos, Infoveranstaltungen, Kneipen, sowie auch große Partys in Wuppertal und vor allem im Autonomen Zentrum veranstalten, gilt unsere Solidarität. Auch wenn wir Kritik an einzelnen Entscheidungen sowie auch an Analysen des AZ Wuppertals haben, betrachten wir das AZ als ein fortschrittliches linkes Zentrum, wenn auch manchmal mit mangelhafter Organisation. Übergriff werden dennoch im AZ nicht geduldet!

Unsere kapitalistische Gesellschaft ist defacto tendenziell sexistisch, rassistisch, reaktionär  et cetera. Deshalb sind es Teile der Besucher des AZ Wuppertals es leider auch.

Wir halten aber den Versuch, über Ausgrenzung und Spaltung, sich ein ideologisch reines Umfeld zu schaffen für wenig hilfreich.

Natürlich ist es richtig, in Übergriffssituationen oder bei unverbesserlichem Verhalten Hausverbote auszusprechen. Doch gerade bei jungen Besuchern, sehen wir nicht, wie ein „vor die Tür setzen“ für ihre persönliche Entwicklung hilfreicher seien sollte als ein ordentliches Kontra. Um den Kapitalismus mit all seinen antihumanistischen, reaktionären und sexistischen Begleiterscheinungen hinter uns zu lassen, müssen wir Möglichkeiten haben uns immer weiter zu entwickeln. Ein Zentrum in dem fortschrittliches Gedankengute gefördert wird, ist dafür sicherlich geeignet.

Aufgrund unserer Analyse und persönlichen Erfahrungen solidarisieren wir uns mit dem AZ Wuppertal.

Hoch die internationale Solidarität!